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Abschied vom Flächentarifvertrag? Das deutsche Tarifsystem im Umbruch
Abschied vom Flächentarifvertrag? Das deutsche Tarifsystem im Umbruch |
Die Tarifbindung geht seit Mitte der 90er Jahre zurück. Die Tariflandschaft und auch die Tarifverträge unterliegen einem starken Wandel.Differenzierung und Dezentralisierung sind die beiden Trends, die das Tarifsystem grundlegend verändern. „Diese Entwicklung stellt die Tarifpolitik der Gewerkschaften vor grundlegende Herausforderungen“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung, Dr. Reinhard Bispinck, bei der Vorstellung des neuen WSI-Tarifhandbuchs 2006 in Berlin. „Gefordert ist eine neue Verknüpfung von Tarif- und Betriebspolitik, um die sich die Gewerkschaften in vielen Bereichen bemühen. Das Tarifsystem kann und muss aber auch gesetzlich stabilisiert werden“.
„Das System einheitlicher Flächentarifverträge, das mit verbindlichen und unabdingbaren Tarifstandards branchenbezogen die Arbeits- und Einkommensbedingungen aller Beschäftigten regelt, gehört offenkundig der Vergangenheit an“, sagt WSI-Tariffachmann Bispinck. „Es wurde inzwischen abgelöst von einer bunt gescheckten Tariflandschaft. Diese weist ein breites Spektrum tarifvertraglicher Regelungsmuster und unterschiedliche Verbindlichkeitsgrade der Tarifbestimmungen auf.“
Aber auch der Gesetzgeber könnte und sollte nach Auffassung des WSI-Tarifexperten Reinhard Bispinck eine Re-Stabilisierung des Tarifsystems flankieren. Der Blick über die Grenze zeigt, dass unterstützende Maßnahmen in vielen europäischen Nachbarländern üblich sind. Dazu gehören ein erleichtertes Verfahren der Allgemeinverbindlicherklärung (AVE), eine Ausweitung des Arbeitnehmerentsendegesetzes auf alle Branchen, ein gesetzlicher Mindestlohn sowie ein Verbandsklagerecht, um eine bessere Durchsetzung vereinbarter Tarifverträge zu gewährleisten.
*Reinhard Bispinck, Abschied vom Flächentarifvertrag? Der Umbruch in der deutschen Tariflandschaft, in: Quelle: boeckler.de
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