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Beschäftigungslücken im Dienstleistungsbereich?

Obwohl der Anteil der mit tertiären Tätigkeiten befaßten Personen in Westdeutschland kaum geringer ausfällt als z. B. in den USA, bestehen nicht erschlossene Beschäftigungspotentiale im Dienstleistungsbereich in beiden Teilen Deutschlands, allerdings in unterschiedlichen Feldern.

In Westdeutschland bewirkt die zu geringe Lohndifferenzierung zwischen qualifizierten und unqualifizierten Arbeitsplätzen eine strukturelle Verschiebung zugunsten der Ausweitung hochqualifizierter Dienstleistungstätigkeiten. Es entstehen vergleichsweise weniger Dienstleistungsarbeitsplätze mit geringen Qualifikationsanforderungen.

Ferner ist die Mobilität der Arbeitskräfte zwischen den Sektoren relativ gering, häufig scheint sich der Strukturwandel erst über einen Wechsel der Generationen zu vollziehen: Arbeitsplätze mit produktionsorientiertem Profil werden wegrationalisiert, ohne daß diese Arbeitskräfte eine neue Beschäftigung finden, während gleichzeitig junge, gut ausgebildete Arbeitnehmer qualifizierte Dienstleistungstätigkeiten aufnehmen.

Eine Beschäftigungslücke ist in Westdeutschland daher in erster Linie im Bereich der weniger produktiven, konsumbezogenen Dienstleistungen festzustellen. Die bestehende strukturelle Arbeitslosigkeit, gekennzeichnet durch einen hohen Anteil älterer Arbeitnehmer und von Arbeitnehmern mit vergleichsweise niedrigem Qualifikationsniveau, ist auch auf diesen Effekt zurückzuführen.

In den neuen Bundesländern stellt sich die Situation dagegen anders dar: Hier ist der Anteil der Erwerbstätigen in produktionsorientierten Dienstleistungsberufen geringer als im Westen (10,7 % West 13,3 %). Außerdem dominieren selbst im produktionsnahen Bereich einfache, weniger produktive Dienste. Eine Ausnahme bildet der vergleichsweise hohe Besatz mit Architekten und Bauingenieuren. Gering ist der auf die neuen Bundesländer entfallende Anteil an Erwerbstätigen im Kredit- und Versicherungsgewerbe, an Marketingfachleuten, EDV-Fachkräften, Rechts- und Steuerberatern usw. Die konsumorientierten Dienste weisen dagegen ein ähnliches Qualifikationsprofil auf wie im Westen.

Diese Strukturen legen nahe, daß in Ostdeutschland vorwiegend Berufe und Tätigkeiten mit nur geringen Einkommenschancen vertreten sind. Eine Beschäftigungslücke ist in den neuen Ländern also eher im Bereich der höher qualifizierten, produktionsnahen Dienstleistungen auszumachen. Allerdings ist hier, anders als in Westdeutschland der Arbeitsmarkt auch von der Angebotsseite her limitiert (vgl. z. B. den vergleichsweise geringeren Besatz von Kreditfachkräften und Steuerberatern). Außerdem begrenzt noch die im Vergleich geringere Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes in den neuen Ländern die Nachfrage nach produktionsnahen Diensten. Dieser strukturbedingte Nachteil dürfte aber – sofern das dynamische Wachstum des industriellen Sektors über 1997 hinaus anhält – allmählich an Bedeutung verlieren.

Quelle: kfw