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Deutschlands Aktienmarkt und die abschwächende Konjunktur

Geschrieben am Juli 26, 2019 
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So viel zum Thema Europäische Union als Motor der Wirtschaft: Deutschland ist die am langsamsten wachsende europäische Wirtschaft in diesem Jahr – abgesehen von Italien, das durch viele Jahre schwachen Wachstums und eine populistische Regierung geschwächt ist. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird 2019 nur um 0,5 % wachsen, so die Prognose der Bundesregierung. Im letzten Jahr waren es noch 1,5 %. Im Vergleich dazu wird die durchschnittliche Wachstumsrate der Eurozone in diesem Jahr auf rund 1,2 % geschätzt.

Deutsche Konjunktur geht zurueckDeutschland ist als Exportnation stark betroffen von Turbulenzen im Welthandel. Daher sollte die sinkende Konjunktur keine Überraschung sein. Sollte sich der aktuelle Einbruch fortsetzen und verschärfen, könnte die Regierungskoalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel endlich den vielen Ökonomen und internationalen Organisationen Beachtung schenken, die Berlin auffordern, seine langjährige Abneigung gegen Defizite und Schulden aufzugeben. Die Bundesregierung hat sich in den letzten Jahren als hartnäckig erwiesen, wenn es darum ging, die Stimmen von Ökonomen aus dem In- und Ausland zu ignorieren, die Berlin zu einer anderen Finanzpolitik drängen.

Merkel & Co. brauchen nicht zu befürchten, dass die Bemühungen zur Ankurbelung der Wirtschaft durch den Verzicht eines auf Sparen und riesigen Leistungsbilanzüberschüssen basierenden Wirtschaftsmodells den deutschen Aktienmarkt belasten werden. Denn die größten deutschen Unternehmen sind Global Player, und ihre Rentabilität ist nicht an die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten oder die Politik ihres Heimatlandes gebunden.

Entwicklung auf dem Aktienmarkt

Betrachtet man die Entwicklung der deutschen Aktien seit Anfang 2019, merkt man kaum, dass etwas nicht stimmt. Der Leitindex DAX entwickelt sich seit Januar im Einklang mit anderen europäischen Börsen und ist in diesem Jahr um 18 % gestiegen. Das ist vergleichbar mit Gewinnen in den paneuropäischen Indizes CAC 40 und Euro Stoxx und liegt damit deutlich vor dem britischen FTSE 100 (+12 %), der durch die Brexit-Debatte geschädigt ist.

Der Internationale Währungsfonds lobte die Haltung der Berliner Regierung in der Vergangenheit und Gegenwart, betonte aber, dass es jetzt an der Zeit sei, die Früchte eines Jahrzehnts der Sparsamkeit zu ernten. Der IWF meint, Berlin solle „das Potenzialwachstum durch öffentliche Investitionen unterstützen (…) und weitere Steuererleichterungen für Haushalte mit niedrigem Einkommen schaffen, die zusammen mit einem stärkeren Lohnwachstum ihre Kaufkraft wiederherstellen würden“.

Dazu gebe es „genügend fiskalischen Spielraum“, stellte der IWF fest. Schließlich verzeichnet die Bundesregierung seit fünf Jahren in Folge einen Haushaltsüberschuss, und die Verschuldung sinkt rasch in Richtung 50 % des BIP. Das liegt deutlich unter der theoretischen 60 %-Grenze der EU, und ist weit entfernt vom Durchschnitt im übrigen Europa, der bei 80 % liegt.

Der IWF stellte weiterhin fest, dass das verfügbare Einkommen und die Ausgaben der deutschen Haushalte in fünf aufeinander folgenden Jahren zurückgegangen sind. Diese Zahlen deuten kaum auf einen uneingeschränkten wirtschaftlichen Erfolg hin.

Wenn die Regierung von Merkel endlich auf die Notwendigkeit der Ankurbelung von Nachfrage und Konsum aufmerksam wird, profitieren die meisten großen deutschen Unternehmen. Der DAX-Index ist reich an Automobilherstellern und großen Herstellern von Industriegütern. Es gibt nur zwei Konsumgüterhersteller – einer davon, Adidas, hat eine Präsenz, die weit über den Heimatmarkt hinausgeht. Weniger als ein Drittel des Umsatzes des Unternehmens wird in Europa erzielt. Die Adidas-Aktie legte in diesem Jahr um mehr als 54 % zu – ein deutliches Beispiel für die Diskrepanz zwischen der deutschen Wirtschaft und den Finanzen der großen Unternehmen.

Abbildung: Ingo Joseph von Pexels

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Redaktion




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