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Vier-Punkte-Plan für die Europäische Finanzmarktarchitektur

Das DIW Berlin stellt in seinem aktuellen Vierteljahrsheft zur Wirtschaftsforschung 4/2005 die Bedeutung einer tragfähigen europäischen Finanzmarktarchitektur heraus und macht konkrete Gestaltungsvorschläge.

In dem Heft „Europäische Finanzmarktarchitektur“ wird vom DIW Berlin ein Vier-Punkte-Plan für den europäischen Finanzmarkt entwickelt, der eine Vereinheitlichung der Spielregeln forciert, die vorhandene Vielfalt der Finanzorganisationen in Europa begrüßt, da sie der Portfoliodiversifizierung dient, eine europäische Aufsichtsbehörde sowie einen verbesserten Zugang der kleinen und mittleren Unternehmen zum europäischen Kapitalmarkt fordert.

Ausgangspunkt der Analyse zur Heterogenität des Bankensektors ist der Überblicksartikel von Hella Engerer zum Stand der Integration der europäischen Finanzmärkte und den Eigentumsstrukturen in den nationalen Bankensystemen. Der Beitrag von Elena Carletti, Hendrik Hakenes und Isabel Schnabel analysiert konkret Nutzen und Gefahren der Privatisierung von staatlichen Banken. Martin Gisiger und Werner Weber beschäftigen sich mit den Netzwerkeffekten im Wertpapierhandel und den einer weiteren Konzentration des Handels entgegenstehenden Faktoren. Klaus Möller, Björn Stein und Patrick Steinpaß setzen sich mit den Chancen von pluralistischen Finanzmarktstrukturen und heterogenen Bankensektoren in Europa auseinander.

Eine der großen Herausforderungen für Finanzdienstleister und die europäische Finanzmarktarchitektur als Ganzes ist zweifellos die Sicherstellung des Finanzierungszugangs für Kleinunternehmen. Hier zeigt Eva Terberger, dass zwischen den Leitlinien zur wachstumsfördernden Gestaltung von Finanzsystemen und den Maßnahmen zur Förderung von Kleinunternehmen nicht zwangsläufig Zielkomplementarität bestehen muss. Jan Henneke und Stefan Trück beschäftigen sich mit einem aktuellen Beispiel für eine mögliche Zielkonkurrenz und analysieren den vermuteten Zielkonflikt zwischen Basel II und der Finanzierung des Mittelstandes. Ansgar Belke und Andreas Schaal lenken den Blick weg von den heimischen Finanzsektoren und hin zur Leistungsfähigkeit von Finanzdienstleistern in emerging markets. Felix Treptow und Stefan Wagner konzentrieren sich auf den Finanzdienstleister Börse und zeigen, dass die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefundene Veränderung der Beziehung zwischen Börse und Emittent sowohl Nutzen als auch Gefahren mit sich bringt.

Die vielfältigen Herausforderungen auf allen Ebenen der europäischen Finanzsysteme haben eine Reihe von Anpassungsprozessen in Gang gesetzt. Einer der bedeutsamsten aktuellen Anpassungsprozesse in Deutschland ist die Stärkung des außerbörslichen Private-Equity-Markts. Christian Hopp und Finn Rieder setzen sich hier insbesondere mit der Rolle öffentlicher Beteiligungskapitalinvestoren auseinander. Peter Gomber und Jochen Seitz analysieren hingegen die börslich vermittelten Seite der Unternehmensfinanzierung. Abschließend rückt Armin Kammel die Frage der Aufsicht über die Finanzmärkte ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Vor dem Hintergrund der geleisteten Analysen hat das DIW Berlin einen Vier-Punkte Plan entwickelt:

1. Vereinheitlichung der Spielregeln forcieren
Ein Grundproblem der Europäischen Finanzmarktarchitektur ist das Vorhandensein unterschiedlicher Spielregeln für die Akteure auf dem Finanzmarkt. Diese Heterogenität verursacht hohe Informations- und Transaktionskosten gerade in Bezug auf innereuropäische Finanzaktivitäten. Die grenzüberschreitende Vereinheitlichung der institutionellen Rahmenbedingungen scheint daher eine entscheidende Voraussetzung, um das Zuwachsen der nationalen Märkte zu beschleunigen.

2. Vielfalt als Chance sehen
Die europäischen Finanzsysteme sind aus unterschiedlichen historischen Prozessen hervorgegangen. Diese Heterogenität ist eine große Chance, denn die vorhandene Vielfalt der Finanzorganisationen in Europa erleichtert die Portfoliodiversifizierung.

3. Nachhaltigkeit durch permanente Konsistenzprüfungen fördern
Die europäische Finanzmarktarchitektur braucht mindestens drei stabile Säulen. Eine ist die fortschreitende Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen über die nationalen Grenzen hinweg. Eine andere stellen die nationalen Aufsichtsbehörden über die Finanzdienstleister dar. Zudem ist die Schaffung einer europäischen Aufsichtbehörde ins Auge zu fassen, die einerseits die Konsistenz und Durchsetzung der Spielregeln auf dem Finanzmarkt überprüft.

4. Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen sichern
Bei der Mehrzahl der europäischen Unternehmen handelt es sich um sogenannte kleine und mittlere Unternehmen. Bislang wurden diese unternehmerischen Aktivitäten vielfach durch nationale Finanzierungsprogramme und vergünstige Kredite unterstützt. Heute scheint eine weitreichende Vereinheitlichung der Rechnungslegung ein Ansatzpunkt, um eine besseren Zugang zu europäischen Finanzdienstleistern zu gewährleisten. Darüber hinaus könnte die Sicherung der Finanzierung solcher Unternehmen im europäischen Kontext auch von einer Kreditvergabeagentur auf europäischer Ebene abgewickelt werden.

Quelle: diw 

 
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