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Finanzierung: Mittelständische Unternehmen müssen verstärkt ihre Zahlen und Strategien offenlegen


Die Finanzierung von mittelständischen Unternehmen befindet sich im Umbruch.

Neben dem klassischen Hausbank-Kredit werden innovative Finanzierungsinstrumente immer wichtiger, um gezielt wachsen zu können. Dabei steigen die Ansprüche an Unternehmer und Manager, ihre Zahlen und Strategien deutlich offener zu kommunizieren.

Zu diesen Ergebnissen kamen Experten aus Banken, Rechtskanzleien und Unternehmensberatungen bei der Fachkonferenz „Innovative Finanzierungsstrukturen im Mittelstand“ des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. in Frankfurt.  Die Veranstaltung war der Startschuss zu weiteren Fachkonferenzen rund um das Thema Unternehmens-finanzierung, die ab 2007 folgen werden.

Noch zu wenig seien Mittelständler über die Angebote des Kapitalmarktes informiert, bemerkte Dirk Ley, Vorstandsmitglied des BDU-Fachverbandes Finanzierung + Rating. Zusätzlich gebe es Vorbehalte: Informations- und Offenlegungsverlangen würden vielfach kritisch gesehen. Und: „Der Datenbestand in deutschen KMU kann oft nicht zeitnah präsentiert werden, um die Finanzierung durch Banken oder alternative Formen überhaupt zu ermöglichen“, so Ley.

Die anglo-amerikanischen Märkte seien in dieser Hinsicht viel weiter, so Heinz Weber, von der isländischen Landesbanki Commercial Finance. Deren Finanzierungskultur sei im Vergleich zum eher statischen deutschen Markt schon länger dynamisch und kapitalmarktorientiert. Den Investoren ginge es dort in erster Linie um den Unternehmenswert und nicht so sehr um eine zufriedenstellende Ertragslage bei optimierter Steuerbasis. Dieses Denken in Wertsteigerungspotenzialen gelange aber zunehmend zu deutschen Mittelständlern, gerade auch in Fragen der Unternehmensfinanzierung . Weber: „Wie in Großbritannien und den USA werden Financial Advisors – Spezialisten, die ihre Klienten zu anderen Finanzanbietern führen können – auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen.“ Insgesamt ginge der Trend weg von beziehungsbasierten und hin zu marktorientierten Finanzierungssystemen.

Professor Karl-W. Giersberg, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Finanzierung + Rating, sieht hier allerdings noch großen Handlungsbedarf: „Die Marktplätze für KMU und Finanzierer sind in Deutschland bislang kaum vorhanden.“ Hinzu komme, dass auf beiden Seiten wenig Verständnis für das jeweilige Geschäft bestehe.

Auch bei den Hausbanken stoßen die mittelständischen Unternehmen auf veränderte Bedingungen, wenn es um die Kreditvergabe geht. Dabei hinterlassen nicht nur die Ratinganforderungen durch Basel II ihre Spuren. Für Dr. Wolfgang Richter, Kanzlei DLA Piper UK LLP, sind die Unternehmer und Manager nur selten darauf vorbereitet, dass gewerbliche Kredite grundsätzlich abgetreten werden können. Über diesen Weg erhielten zunehmend Private-Equity-Firmen oder Fondsgesellschaften Einfluss auf die Firmen, oft ohne deren Wissen. In Verträgen sei daher darauf zu achten, den Ausschluss der Abtretbarkeit, einen Zustimmungsvorbehalt oder die Abtretung nur an festgelegte Dritte zu vereinbaren.
Wenn KMU ihre Unternehmensprozesse und IT-Systeme an die Anforderungen der Finanzierungsmärkte anpassen wollten, so könne direkt die Einführung der internationalen IFRS-Rechnungslegung sinnvoll sein, ergänzte Gerd Lützeler, Ernst & Young AG. Trotz der zwischenzeitlichen Angleichung des Handelsgesetzbuches (HGB) durch den deutschen Gesetzgeber biete der IFRS-Abschluss – gerade wenn eine Finanzierung durch internationale Kreditgeber geplant sei – unübersehbar Vorteile. Lützeler: „Es liegen dann zukunftsorientierte, interne Steuerungsdaten mit segmentierten, verständlichen und vergleichbaren Informationen vor.“

Quelle: bdu 

 
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